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Nr. 182 Ministerrat, Schönbrunn, 9. Oktober 1849 - Retrodigitalisat (PDF)

  • RS.; P. Ransonnet; VS. Kaiser; anw. Schwarzenberg, Krauß, Bach, Gyulai, Schmerling, Bruck, Thinnfeld, Thun, Kulmer; BdE. (Schwarzenberg 10.10.), Krauß 19.10., Bach 24.10., Gyulai, Schmerling 18.10., Bruck, Thinnfeld 18.10., Thun, Kulmer 15. 10.; abw. Stadion.

MRZ. 3608 – KZ. 3167

Protokoll der am 9. Oktober 1849 zu Schönbrunn in Ah. Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers abgehaltenen Ministerratssitzung.

I. Organisation Ungarns

Der Minister des Inneren entwickelte seine bereits in der Sitzung vom 4. Oktober d.J. vorläufig beratenen Anträge über die provisorische Organisation Ungarns1 und las hierauf seinen a.u. Vortrag über diesen Gegenstand mit dem Bemerken, daß dieser Vortrag im Falle der Ah. Genehmigung seiner a.u. Anträge veröffentlicht werden dürfte, da er die staatsrechtliche und politische Begründung der einzuführenden neuen Ordnung enthält. Gegen die Anträge an und für sich wurde von keiner Seite eine Erinnerung erhoben, zumal die Frage wegen der Woiwodina noch bis zum Einlangen der vom Banus FZM. Baron Jellačić angekündigten Vorschläge unentschieden bleibt. Was jedoch den Inhalt des Vortrages betrifft, so wurde beschlossen, aus demselben alle disputablen staatsrechtlichen Erörterungen soviel wie möglich wegzulassen, um nicht eine unzeitige Polemik hervorzurufen.

Der a.u. Vortrag wird sofort bei den sämtlichen Ministern in Umlauf gesetzt, und hierauf wegen dessen Redaktion ein definitiver Beschluß gefaßt werden2.

II. Kompetenzen und Anstellungen in Ungarn

Der Minister des Inneren erwähnte bei diesem Anlaß diejenigen Individuen, welche zur Besetzung höherer Dienstesstellen in der provisorischen ungarischen Verwaltung sich erboten haben und dazu auch ganz geeignet sein dürften, nämlich die Gubernialräte von Hauer, Graf Attems, und Baron Henniger, der Gubernialsekretär Oberleutnant C. Amadei, Graf Zichy Ferenc, die Staathaltereiräte Babarczy und Szentıványi3.

III. Temesvárer Militärdistriktskommando

Nachdem der Posten eines Militärdistriktskommandanten in Temesvár viele Umsicht und eine genaue Kenntnis der südungarischen Verhältnisse erfordert, wurde die Besetzung dieser Stelle in Beratung gezogen und anerkannt, daß Generalmajor v. Mayerhofer die dazu erforderlichen Eigen­schaften besitze4.

IV. Auflösung des slowakischen Freikorps

Nachdem das von dem k.k. Major Lewartowski befehligte slowakische Freikorps unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht nur ganz entbehrlich geworden ist, sondern|| S. 744 PDF || selbst dazu beiträgt, Unruhe und politische Gärung in Oberungarn zu erhalten, so vereinigte man sich zu dem Antrage, daß es zu entwaffnen und aufzulösen wäre5.

V. Eisenbahntrasse von Laibach nach Triest

Der Minister für Handel und öffentliche Bauten referierte über die von Laibach nach Triest einzuschlagende Train der Staatseisenbahn. Das Resultat der Vergleichung der zwei Projekte a) nach der Richtung über den Karst und b) über Idria und Görz, ist, daß die erstere Bahn um beiläufig 7 Meilen kürzer ausfallen und um 8 Millionen Gulden weniger kosten, dabei auch schon in 3 Jahren vollendet werden würde, während die Bahn über Görz – wobei kolossale Tunnels in einer Gesamtlänge von zirka 4000 Klafter hergestellt werden müßten – wohl die doppelte Zeit in Anspruch nehmen würde.

Alle diese wesentlichen Vorteile, welche für die Einschlagung der Richtung über den Karst sprechen, bestimmten den Ministerrat zu dem, auch sofort a.g. genehmigten Antrage auf die Wahl dieser Trasse von Laibach nach Triest, mit der Ausrichtung an die venezianische Grenze, zumal die Schwierigkeiten für den Betrieb, welche sich am Karste aus dem Wassermangel und aus den Bora-Stürmen ergeben, nicht unbesiegbar sind6.

Ah. E. Ich haben den Inhalt dieses Protokolls zur Wissenschaft genommen Franz Joseph. Schönbrunn, 25. Oktober 1849.