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Nr. 132 Ministerrat, Wien, 2. Oktober 1861 — Protokoll II - Retrodigitalisat (PDF)

  • RS.; P. Marherr; VS. Erzherzog Rainer; BdE. und anw. (Erzherzog Rainer 2. 10.), Mecséry, Schmerling, Lasser, Plener, Wickenburg, Lichtenfels, Forgách, Esterházy, Mažuranić, FML. Schmerling, Kabos; abw. Rechberg, Degenfeld, Pratobevera; BdR. Erzherzog Rainer 27. 10.

MRZ. 933 – KZ. 3348

[Tagesordnungspunkte]

Protokoll II des zu Wien am 2. Oktober 1861 abgehaltenen Ministerrates unter dem Vorsitze Sr. kaiserlichen Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Rainer

I. Heeresergänzung für 1862

Gegenstand der Beratung war der au. Vortrag des Kriegsministers wegen Ah. Genehmigung der Vorarbeiten zur Rekrutierung von 85.000 Mann nach dem auf die einzelnen Königreiche und Länder entfallenden Kontingent bis 1. Februar 1862 1. Der Kriegsminister hat sich hierwegen vorläufig mit dem Staatsminister, dem ungrischen Hofkanzler, dem Präsidenten des kroatischen Hofdikasteriums und dem Präsidium der siebenbürgischen Hofkanzlei ins Einvernehmen gesetzt und von dem ersteren die unbedingte Zustimmung, von dem ungrischen Hofkanzler und dem Präsidenten des kroatischen Hofdikasteriums die Erklärung, daß sie sich hierzu nicht für ermächtigt halten, jedoch bereit seien, einen hierauf bezüglichen Ah. Befehl Sr. Majestät zu vollziehen, endlich von der siebenbürgischen Hofkanzlei die Antwort, daß sie bereits die nötige Weisung an das Gubernium erlassen habe, und über die Entgegnung, daß hierwegen erst die Ah. Entschließung abzuwarten sei, keine weitere Mitteilung erhalten.

Im wesentlichen wiederholten die Chefs der genannten Zentralstellen auch heute ihre damaligen Äußerungen. Der ungrische Hofkanzler erklärte, er werde auf Ah. Befehl Sr. Majestät sein möglichstes zur Durchführung der Rekrutierung tun. Allerdings werde es Schwierigkeiten bereiten, und es würde vielleicht besser sein, auf das alte System zurückzukommen, wornach den Gemeinden die Stellung der auf sie entfallenden Rekruten überlassen war. Indessen hofft er, diese Schwierigkeiten mit Hilfe neuer ergebener Magistrate, nötigenfalls in einzelnen Komitaten mit Hilfe eigener königlicher Kommissäre, zu überwinden2. Der Präsident des kroatischen Hofdikasteriums sprach sich in gleicher Weise aus. Er hat gegen die anrepartierte Ziffer der Rekruten nichts einzuwenden und hofft, die administrativen Schwierigkeiten bei Durchführung der Rekrutierung infolge des eben im Zuge befindlichen Wechsels mehrerer Obergespäne, wovon er einen Umschwung der Stimmung zum Besseren erwartet, und falls dies nicht einträte, durch außerordentliche Maßregeln, insbesondere durch Abordnung königlicher Kommissäre, zu bewältigen. Der Vertreter der siebenbürgischen Hofkanzlei || S. 419 PDF || Hofrat v. Kabos endlich erklärte, es sei bereits an das siebenbürgische Gubernium die entsprechende Weisung erlassen, von diesem zwar mit einer Gegenvorstellung beantwortet, aber diese von der Hofkanzlei auf ihre frühere Anordnung verwiesen worden. Daß und warum dem Kriegsministerium auf dessen Zuschrift wegen Sistierung jener Weisung bis zur Ah. Entscheidung in der Hauptsache keine Antwort gegeben worden, könne er im Augenblicke nicht aufklären. In der Sache selbst glaube er, daß die Rekrutierung bei einem Teile der Bevölkerung, namentlich bei den Romanen, kein Hindernis finden werde. Wohl aber seien bei den Ungern und besonders bei den Szeklern Schwierigkeiten zu erwarten, die er indessen auch nicht für unüberwindlich hält, indem er von der Wirksamkeit der wiederhergestellten Provinzialkommissariate, wozu die Kandidation im Zuge ist, einen guten Erfolg sich versprechen zu dürfen glaube.

Unter diesen Umständen ergab sich gegen den beabsichtigten au. Vortrag des Kriegsministers keine Einwendung mehr3.

Ah. E. Ich habe den Inhalt dieses Protokolls zur Kenntnis genommen. Franz Joseph. Wien, den 25. Oktober 1861. Empfangen 27. Oktober 1861. Erzherzog Rainer.