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Nr. 85 Ministerrat, Wien, 1. Juni 1849 - Retrodigitalisat (PDF)

  • RS.; P. Ransonnet; VS. Schwarzenberg; anw. Krauß, Bach, Cordon, Thinnfeld, Kulmer; BdE. (Schwarzenberg 2. 6.), Krauß 8. 6., Bach 7. 6., Thinnfeld, Kulmer 8. 6.; außerdem anw. Liechtenstein; abw. Stadion, Bruck.

MRZ. 1717 – KZ. 1568

Protokoll zu der in Wien am 1. Juni 1849 abgehaltenen Sitzung des Ministerrates unter dem Vorsitze des Ministerpräsidenten, Ministers des Äußern und des Hauses Fürsten v. Schwarzenberg.

I. Programm der Fronleichnamsprozession

Es wurde unter Beiziehung des Ersten Obersthofmeisters Sr. Majestät Fürsten C. Liechtenstein das Programm der bevorstehenden Fronleichnamsprozession redigiert und beschlossen, daß der Ministerrat als solcher nach dem Charakter der Festivität an dem Zuge nicht teilzunehmen habe1.

II. Silber- und Goldkurs

Der Finanzminister besprach die Höhe des Silber- und besonders des Goldkurses auf dem Wiener Platze, welcher durch künstliche Mittel und namentlich auch durch Aufkäufe in Ungarn hervorgerufen und erhalten werde, aber sich bei dem Vorrücken unserer Truppen bald günstiger stellen dürfte. Von Seite einiger Bankiers sei als ein Abhilfsmittel auf die Erlassung eines Verbots der Gold- und Silberausfuhr nach Ungarn hingedeutet worden. Allein, man könne sich nicht darüber täuschen, daß ein solches Verbot nicht wirksam handzuhaben wäre, und da demnach die Ausfuhr nur wenig gehemmt werden würde, der Erfolg auf die Hebung der Kurse nur ein geringer und vorübergehender sein könne, während es andererseits auch nicht an Gründen gegen die Erlassung einer solchen, den Verkehr des Handels und der Reisenden hemmenden Maßregel fehle2.

III. Verpflegungsvorräte für die russische Armee

Der provisorische Minister des Inneren berichtete über die zur Sammlung der nötigen Approvisionierungsvorräte für die russische Armee getroffenen Maßregeln, infolge welcher zu hoffen sei, daß die russischerseits geforderten Quantitäten bis 4. l.M. vorhanden sein werden3. Der Minister machte jedoch aufmerksam, daß man bedacht sein müsse, den weiteren Bedarf an Naturalien beizeiten, allenfalls auch durch|| S. 355 PDF || umfassende Ankäufe im Auslande sicherzustellen. Über diesen Gegenstand werden kommissionelle Erörterungen stattfinden4.

IV. Konvention über die Kooperation der russischen Armee in Ungarn

Schließlich teilte der Ministerpräsident einen Bericht des FML. Grafen Caboga mit über die Verhandlungen mit der russischen Regierung wegen der Konvention über die Bedingungen der russischen Kooperation in Ungarn5. Graf Caboga hofft, es werde ihm gelingen, einige der lästigsten Bedingungen, Aufzahlung der Differenz der Kriegs- und Friedensgebühr und Ersatz für verwendete Munition, zu beseitigen6.

Ah. E. Ich habe den Inhalt dieses Protokolles zur Wissenschaft genommen. Franz Joseph. Schönbrunn, den 10. Juni 1849.