MRP-1-2-01-0-18490508-P-0065.xml

|

Nr. 65 Ministerrat, Wien, 8. Mai 1849 - Retrodigitalisat (PDF)

  • RS.; P. Ransonnet; VS. Schwarzenberg; anw. Krauß, Bach, Thinnfeld, Kulmer; BdE. (Schwarzenberg 8. 5.), Krauß 9. 5., Bach 9. 5., Thinnfeld, Kulmer; abw. Stadion, Bruck, Cordon.

MRZ. 1432 – KZ. 1239

Protokoll der Sitzung am 8. Mai 1849 unter dem Vorsitze des Ministerpräsidenten, Ministers des Äußern und des Hauses Fürsten Schwarzenberg.

I. Baldige Ernennung eines Ministers des Inneren

Der Minister des Äußern teilte die über das Befinden des Grafen Stadion ihm zugekommenen Bulletins mit, welche die Notwendigkeit herausstellen, auf die baldige Ernennung eines Ministers des Inneren statt desselben vorzudenken.

Es wurden diesfalls verschiedene Kombinationen besprochen, ohne daß es jedoch zu einem Beschlusse kam1.

II. Gerücht über die Besetzung Ödenburgs durch ungarische Rebellen

Die am 7. Mai in Wien allgemein verbreiteten Gerüchte über die Besetzung Oedenburgs durch die Rebellen erwiesen sich durch die von dem Ministerpräsidenten veranlaßte Absendung des Majors Baron Langenau an Ort und Stelle als unwahr.

III. Verpflegung der russischen Hilfstruppen

Fürst Schwarzenberg teilte dem Ministerrat den vollen Inhalt der ersten vom FML. Grafen Caboga aus Warschau erhaltenen Depesche mit, welche insbesondere über die Modalitäten der Verpflegung der russischen Truppen, die Deckung des Proviantbedarfes für die ersten fünfzehn Tage aus den kaiserlichen Vorräten im Königreiche Polen etc. wichtige Daten enthält2. Es wird darin auch als sehr wünschenswert angedeutet, daß FZM. Baron Welden sowohl mit Feldmarschall Fürst Paskiewitsch als mit General Rüdiger eine direkte Korrespondenz anknüpfe, worüber der Ministerpräsident dem FZM. Welden schreiben wird3.

IV. Marschroute der russischen Hilfstruppen

Hierauf wurde die Korrespondenz des Fürsten Paskiewitsch mit dem FZM. Baron Hammerstein über die von den sechs russischen Hilfskorps (zusammen 106.000 und mit Einschluß der in die Bukowina einrückenden 6000–112.000 Manna ) einzuschlagenden Marschrouten verlesen.

Der kommandierende General in Galizien hat bereits die entsprechenden Einleitungen getroffen, und es wurde nur bemerkt, daß manche dieser Korps wohl noch auf kürzeren Wegen als den dort bezeichneten an ihre Bestimmung gelangen könnten4.

V. Reise des Kaisers nach Brünn

Fürst Schwarzenberg übergab dem Minister Bach ein Schreiben des Vizepräsidenten Grafen Lažanzký, worin darauf angetragen wird, Se. Majestät möchten Brünn durch einen Besuch zu beglücken und an die Stadt Olmütz einige huldvolle Worte zu richten geruhen5. Das Ministerium des Inneren wird hierüber seine au. Anträge erstatten6.

VI. Ausführung eines Telegraphennetzes über die ganze Monarchie

Schließlich besprach Minister Bach die großen Vorteile in politischer und administrativer Beziehung, welche sich durch die Ausdehnung eines großartigen Telegraphennetzes über die ganze Monarchie erzielen ließen, dessen Fäden von allen Provinzialhauptstädten in Wien konvergieren würden, jedoch mit gleichzeitiger direkter Verbindung der benachbarten Hauptstädte untereinander, so daß es im Falle der Zerstörung der geraden Kommunikation aus einer Provinz mit dem Zentrum der Verwaltung noch immer möglich bleiben würde, auf indirektem Wege dahin telegraphisch zu korrespondieren7.

Ah. E. Ich habe den Inhalt dieses Protokolles zur Wissenschaft genommen. Franz Joseph. Schönbrunn, den 16. Mai 1849.