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Vorwort - Retrodigitalisat (PDF)

Mit dem vorliegenden Band legt das Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften nach dem Abschluss der 1. Serie 1848−1867 den ersten Band der 3. Serie der Ministerratsprotokolle vor. Diese Serie umfasst den Zeitraum 1867−1918 und, räumlich gesehen, das Gebiet „der im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder“, also Cisleithaniens. Die 2. Serie, die Protokolle des gemeinsamen Ministerrates der österreichisch-ungarischen Monarchie 1867−1918, wird von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben.

Auch die 3. Serie wird als textkritische und wissenschaftlich kommentierte Edition nach dem bewährten Vorbild der 1. und 2. Serie gestaltet. Ein markanter Unterschied ist allerdings der Umstand, dass nicht alle Ministerratsprotokolle dieser langen fünf Jahrzehnte erhalten sind. Viele sind beim Brand des Wiener Justizpalastes im Jahr 1927 vernichtet worden. Die erhaltenen Protokolle und Protokollteile sind jedoch noch so umfangreich und interessant, dass auch sie der Geschichtsschreibung in Form einer wissenschaftlichen Edition zugänglich gemacht werden sollen, zumal eine direkte Benützung diesen Brandakten leicht weiteren Schaden zufügen kann.

Der Quellenbefund und die dadurch bedingten Änderungen in Aufbau und Kommentar werden im vorangestellten Text „Zur Edition“ vorgestellt, der nicht nur für diesen Band, sondern für die gesamte 3. Serie gilt.

Die Einleitung stellt die Tätigkeit des Ministeriums Beust und die Quelle Ministerratsprotokolle in den Kontext des äußerst bewegten und folgenreichen Übergangsjahres 1867, in dem der Ausgleich des Monarchen mit der ungarischen Nation erfolgte, an die Stelle des Kaisertums Österreich die österreichisch-ungarische Monarchie trat und für Cisleithanien die im Wesentlichen bis zum Schluss gültige Dezemberverfassung erarbeitet und durchgesetzt wurde.

Die Betreuung von langfristigen Projekten gehört zu den wichtigen Aufgaben des Instituts für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung. Es braucht dazu einen langen Atem, Kontinuität und Sicherheit der Finanzierung. Dem Akademiepräsidium, dem Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft und dem Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung sei hier der Dank ausgesprochen, diese Voraussetzungen auch für die 3. Serie bereitzustellen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Staatsarchiv bietet die arbeitsmäßige Grundlage. Auch dafür ist hier der Dank auszusprechen.

Franz Adlgasser, Stefan Malfèr, Anatol Schmied-Kowarzik