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Nr. 282 Ministerkonferenz, Wien, 28. April 1855 - Retrodigitalisat (PDF)

  • RS.; P. Marherr; VS. Buol-Schauenstein; BdE. und anw. (Buol 28. 4.), Bach, Thun, K. Krauß, Toggenburg, Bruck.

KZ. 1004

Protokoll der zu Wien am 28. April 1855 abgehaltenen Ministerkonferenz unter dem Vorsitze des Ministers des Äußern und des kaiserlichen Hauses Grafen v. Buol-Schauenstein.

I. Gnadenpension für die Statthaltereikonzipistenswitwe Franziska Brestyanszky

Der Minister des Innern referierte über die Meinungsdifferenz zwischen ihm und dem Finanzministerium hinsichtlich der Beteilung der Statthaltereikonzipistenswitwe Franziska Brestyanszky (Vortrag vom 21. April 1855, KZ. 1245, MCZ. 1152).

Da die Bittstellerin mit Rücksicht auf die kaum vierjährige anrechenbare Dienstleistung ihres Gatten keinen Anspruch auf eine fortlaufende Beteilung aus dem Staatsschatze hat, so erklärte der Finanzminister , die Sache lediglich der Ah. Entscheidung Sr. Majestät anheimstellen zu müssen.

Die übrigen Stimmen der Konferenz erachteten dagegen einmütig mit dem Minister des Inneren , daß in der Würdigkeit und Bedürftigkeit der Witwe und der ausgezeichneten Dienstleistung des Verstorbenen Anhaltspunkte gefunden werden dürften, um den Antrag auf Beteilung der Bittstellerin mit einer Gnadengabe von jährlichen 200 f. als einen Akt der Ah. Gnade zu befürworten1.

II. Auszeichnung für den Pfarrer zu Uhřitz Peter Obdržalek

Der Kultusminister unterstützte den Antrag des Statthalters in Mähren auf Verleihung des Franz-Joseph-Ordens an den Pfarrer zu Uhřitz, Peter Obdržalek, welcher sich, nebst seinen Leistungen in der Seelsorge und im Unterrichte, durch Akte der Wohltätigkeit und besonders durch seine Beteiligung bei dem Nationalanleihen mit der namhaften Summe von 6.000 f. für sich und 1.000 f. zu wohltätigen Zwecken ausgezeichnet hat2.

Die Konferenz, in thesi mit dem Antrage auf eine Auszeichnung Obdržaleks einverstanden, glaubte jedoch nach der Bemerkung des Handelsministers , daß Orden in der Regel nur dem höheren Klerus verliehen zu werden pflegen, diesen Antrag darauf beschränken zu sollen, daß für Obdržalek das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone von der Ah. Gnade Sr. Majestät erbeten werde, womit auch der Kultusminister einverstanden war.

III. Auszeichnung für den infulierten Erzpriester in Mantua Alois Freschini

Der Kultusminister erhielt die Zustimmung der Konferenz zu dem bei Sr. Majestät gestellten Antrage auf Verleihung des Ritterkreuzes des Franz-Joseph-Ordens an den infulierten Erzpriester des Kollegiatkapitels St. Barbara in Mantua, Alois Freschini, welcher 48 Jahre in der Seelsorge und im Unterrichtsfache mit Eifer und Erfolg gewirkt und jederzeit seine unerschütterliche Anhänglichkeit an das Ah. Kaiserhaus bewährt hat.

A[h]. E. Ich nehme den Inhalt dieses Protokolls zur Kenntnis. Franz Joseph. Wien, 10. Mai 1855.