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Nr. 243 Ministerkonferenz, Wien, 22. August 1854 - Retrodigitalisat (PDF)

  • RS.; P. Wacek; VS. Buol-Schauenstein; BdE. und anw. (Buol 23. 8.), Bach 4. 9., Thun, Baumgartner; außerdem anw. Grünne; abw. K. Krauß.

KZ. 3335

Protokoll der am 22. August 1854 in Wien abgehaltenen Ministerkonferenz unter dem Vorsitze des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten und des kaiserlichen Hauses Grafen v. Buol-Schauenstein.

I. Zahlungsmodalitäten für die in die Walachei und die Moldau einrückenden österreichischen Truppen

Der Erste Generaladjutant Sr. Majestät des Kaisers und Erste Generaladjutant der Armee FML. Graf v. Grünne brachte eine am 20. d. M. eingelangte und mittlerweile auch schon zur Ah. Kenntnis Sr. Majestät telegraphierte Depesche des FML. Grafen Coronini zum Vortrage, worin die Zahlungsmodalitäten für die in die Walachei einrückenden k. k. Truppen besprochen werden.

Graf Coronini stellt in der gedachten Depesche die Anfrage, ob man denn hierorts die Tragweite genügend erwogen habe, die Löhnungen der Truppen in einem fremden Lande in einem Gelde, nämlich Papiergelde, auszuzahlen, welches dort || S. 312 PDF || keinen Wert hat1. Ein solcher Vorgang wäre Schmach für Österreich, könnte Unordnungen beim Einkaufe veranlassen und wäre ganz geeignet, unseren Kredit daselbst zu beeinträchtigen. Soll nun unser Kredit dort nicht gestört werden, so sollten wenigstens einige Chargen, und zwar wenn nicht schon vom Obersten, doch vom Hauptmanne abwärts in Konventionsmünze bezahlt werden. In Italien, bemerkte Graf Coronini weiter, werden unsere Truppen in Silber gezahlt, und so sollte es nach seiner Ansicht auch in den Donaufürstentümern geschehen. Noch sei es Zeit, eine solche Verfügung zu treffen. Die Truppen würden aber schon den 21. in die Walachei einrücken2. Der referierende Generaladjutant Sr. Majestät FML. Graf v. Grünne bemerkte vor allem, daß er sich bestimmt gefunden habe, diese Depesche Sr. Majestät dem Kaiser nach Ischl telegraphieren zu lassen, und daß Allerhöchstdieselben ihm darüber in der Nacht vom 21. auf [den] 22. d. M. die Weisung zukommen zu lassen geruht haben, diesen Gegenstand in der Ministerkonferenz zur Besprechung zu bringen, womöglich den Wünschen des Grafen Coronini zu entsprechen und den Beschluß der Konferenz demselben im Wege des Telegraphen zukommen zu machen.

Der Generaladjutant FML. Graf v. Grünne bemerkte weiter, daß die Summe der in die Fürstentümer einrückenden Mannschaft mit Einschluß der Grenadiere 44.174 Mann (6 Brigaden) betrage und daß im Falle der Zahlung in Silbergeld das Erfordernis für die Mannschaft mit allen Etappen 438.620 f., für die Offiziere und Parteien 106.890 f., zusammen 545.510 f. monatlich, betragen würde. Hierbei sei jedoch zu berücksichtigen, daß in dieser Summe auch die Verpflegung inbegriffen sei, welche aber der Gemeine überall erhält, und daß sonach von dem gedachten Betrage ungefähr ein Drittel abzuschlagen wäre.

Der um seine Ansicht hierüber zunächst angegangene Finanz- und Handelsminister glaubte sich dahin aussprechen zu sollen: Die Tragweite der in der Rede stehenden Maßregel sei schon bei den früheren darüber angestellten Beratungen recht wohl und reiflich erwogen worden, aber in einem anderen als dem Sinne des Grafen Coronini, nämlich welche Tragweite es hätte, wenn die Bezüge unserer Truppen in den Fürstentümern in Silber ausgezahlt würden. Der Finanzminister bemerkte, daß die Summe der jetzt in die Fürstentümer einrückenden k. k. Truppen zwar bekannt sei3, aber es können Ereignisse eintreten und die Dinge sich so gestalten, daß eine namhafte Vermehrung dieser Truppen als notwendig erkannt werden dürfte, wo dann statt einer halben eine ganze Million und mehr als monatliches Erfordernis der Silberzahlung sich herausstellen könnte. Es lasse sich daher der Betrag oder die Summe dieses möglichen Erfordernisses im ganzen durchaus nicht bestimmen. Allein auch || S. 313 PDF || abgesehen von einer Truppenvermehrung daselbst könnten die Finanzen selbst die oben angegebene Summe von 545.000 f. monatlich unmöglich leisten4. Was die weitere Bemerkung des Grafen Coronini anbelangt, daß die Zahlung unserer Truppen in den Fürstentümern in Papiergeld unserem Kredite daselbst schaden würde, meinte der Finanzminister, daß wir nicht zunächst und vor allem unseren Kredit in der Walachei beziehungsweise den Donaufürstentümern zu berücksichtigen haben, in welchen Österreich — durch besondere Verhältnisse dazu veranlaßt — einrückt und wo wir durch Entfaltung einer imposanten Militärmacht Herren und Schützer sind. Der Schwerpunkt unseres Kredits liege ganz anderswo, und wir würden ganz sicher demselben sehr schaden, wenn beschlossen würde, unsere Truppen in der Moldau und Walachei in Silber auszuzahlen. Daß die k. k. Truppen in Italien ihre Bezahlung in Silbergeld erhalten, habe vorzüglich darin seinen Grund, daß auch die Steuern daselbst dem Staate in Silber einfließen. Wenn wir unsere Truppen in der Moldau und Walachei in Silber bezahlten, so könnte mit Recht die Frage gestellt werden, wie es komme, daß unser Militär in Prag, Lemberg, Grätz usw. in Papiergeld gezahlt wird, da wir in der Moldau und Walachei zum Schutze der dortigen Bevölkerungen erscheinen und nichts von ihnen verlangen. Die eigentliche Kriegszulage, bei den Offizieren ungefähr 75.000 f. monatlich — die Gemeinen erhalten ihre Verpflegung vom Lande —, wird den in der Moldau und Walachei befindlichen Offizieren ohnehin in Silber geleistet, und für die Gemeinen wird behufs ihrer täglichen kleinen Einkäufe nach Tunlichkeit die entsprechende Menge von Scheidemünzen (Ein-, Zwei-, Drei- und Sechskreuzerstücke) nachgesendet werden. Daß Graf Coronini es eine Schmach nennt, wenn unsere Truppen in der Moldau und Walachei in Papiergeld gezahlt werden, will der Finanzminister mit der Bemerkung dahingestellt sein lassen, daß es bei Wahrung unserer sonstigen Interessen ziemlich gleichgiltig sei, wie die Walachen und Moldauer, welche übrigens nichts anderes als die Zahlung in Papiergeld von uns erwarten, diese Maßregel aufnehmen. Schließlich bemerkte noch der Votant, daß die Zahlung unserer Truppen in den Fürstentümern in Papiergeld die gute Folge haben werde, daß die dortigen Bewohner Bestellungen auf hiesigen Waren machen werden, die sie in Papiergeld bezahlen können. Der Finanzminister schloß mit der Äußerung, daß er in dem Räsonnement des FML. Grafen Coronini keinen Grund finden könne, von seiner über den Gegenstand der Frage bereits bei den früheren Beratungen ausgesprochenen Ansicht abzugehen.

Der Minister des Inneren schloß sich der Ansicht des Finanzministers vollkommen an. Nach seiner Meinung wird die Entlohnung unserer Truppen in den Fürstentümern in Papiergeld auf keine Schwierigkeiten stoßen, da man dort nichts anderes als eine solche Zahlung erwartet. Eine vorzügliche Rücksicht verdiene der Umstand, daß eine solche Zahlung auf unsere Industrie und unseren Handel, welche bezüglich der Donaufürstentümer bereits seit mehr als einem Jahre in Stockung geraten sind, nur vorteilhaft zurückwirken dürfte. Wenn wir in den Fürstentümern eingerückt sein und die dortigen Verhältnisse konsolidiert || S. 314 PDF || haben werden, werden die Moldauer und Walachen unsere Waren mit diesem in seinem Kurse sich immer mehr und mehr bessernden Gelde bezahlen können. Weiter sei zu berücksichtigen, daß in der Folge vielleicht eine weit stärkere Besatzung in den Fürstentümern notwendig sein dürfte und daß, wollten wir dann in Silber zu zahlen aufhören, es viel ärger wäre, als damit gar nicht anzufangen. Übrigens erhalten die Offiziere, wie bereits erwähnt wurde, die Zulage (circa 75.000 f. monatlich) in Silber.

Der Minister des Inneren bemerkte weiter, daß bei der Ausschreibung des letzten freiwilligen Anlehens im Publikum hauptsächlich das Bedenken rege geworden sei, wie man das viele Silber schaffen werde, um der Bank zu dem notwendigen Barvorrate zu verhelfen und die Zinsen der neuen Kupons in Silber bezahlen zu können5. Wollte man nun, bevor noch in der gedachten Beziehung eine weitere Operation begonnen hat, gerade in den Donaufürstentümern in Silber zu zahlen anfangen, so könnte dies für den Kredit der Monarchie nur eine nachteilige Wirkung hervorbringen, während diese Rücksicht für die Fürstentümer nur unbedeutend erscheint. Vor allem müsse getrachtet werden, daß unsere Finanzverhältnisse im Inneren festgestellt werden. Der Minister des Inneren meint demnach, daß Sr. Majestät au. zu raten wäre, die Sache so zu belassen, wie sie bereits beschlossen worden ist.

Den von den Vorstimmen geäußerten Ansichten traten auch der Kultus- und Unterrichtsminister und der vorsitzende Minister der auswärtigen Angelegenheiten bei; der erstere mit der Bemerkung, daß die vom Grafen v. Grünne nicht als unmöglich angegebenen Exzesse bei den Einkäufen in Papiergelde von keiner besonderen Bedeutung sein dürften, weil die romanischen Bauern froh sein werden, von dem russischen Drucke befreit zu sein; und da die Möglichkeit noch immer vorhanden ist, in einen Krieg verwickelt zu werden, welcher Zustand größere Truppennachsendungen erfordern würde, so könnte es bei der angenommenen Zahlung in Silber geschehen, daß das dazu nötige Silber nicht aufgebracht werden könnte, und dann mit dieser Zahlung zurückzugehen, wäre ärger, als damit gar nicht anzufangen. Der Minister des Äußern bemerkte, daß das Papiergeld in den Donaufürstentümern kein unbekanntes Objekt sei und daß damit dort eben so werde verfahren werden wie bei uns. Zu berücksichtigen sei hier auch noch, daß das Einrücken unserer Truppen in den Fürstentümern noch kein Krieg, keine eigentliche Kampagne, sei und daß die dort eingerückten k. k. Offiziere durch die ihnen Ah. bewilligte Zulage in Silber besser daran seien als alle anderen Offiziere in der Monarchie, welche ganz in Papiergeld gezahlt werden. Hiernach hat die Konferenz einstimmig ihre Ansicht dahin ausgesprochen, daß dem Ansinnen des FML. Grafen Coronini keine Folge zu geben sei. Der Generaladjutant Sr. Majestät FML. Graf v. Grünne wird das Resultat dieser Beratung und die Gründe, welche die Konferenz bestimmt haben, sich gegen den Antrag des Grafen Coronini auszusprechen, zur Ah. Kenntnis Sr. Majestät bringen und dem FML. Grafen Coronini sogleich telegraphieren lassen, daß die Tragweite der von ihm angetragenen Maßregel schon früher und reiflich erwogen worden sei, || S. 315 PDF || daß aber die Gründe überwiegend waren, derselben keine willfahrende Folge zu geben.6.

Gelesen Graf Grünne, FML. Generaladjutant7. A[h]. E. Ich habe den Inhalt dieses Protokolls zur Kenntnis genommen. Franz Joseph. Schönbrunn, 7. September 1854.