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Nr. 379 Ministerrat, Wien, 17. April 1882 - (PDF)

RS.; P. Jaeger; VS. Taaffe; BdE. und anw. (Taaffe 17. 4.), Ziemiałkowski, Pražák, Welsersheimb, Dunajewski, Pino; abw. Falkenhayn, Conrad.

KZ. 44 – MRZ. 35

[Protokoll des zu Wien am 17. April 1882 abgehaltenen Ministerrates] unter dem [Vorsitze Sr. Exze]llenz des Herrn Ministerpräsidenten Grafen Taaffe.

I. Zur Regelung der Sprachenfrage in den slowenischen Gebietsteilen des Oberlandesgerichtssprengels Graz

[I.] ℹ️|| || Minister Dr. Pražák als Leiter des Justizministeriums referiert über die Frage der Regelung des Gebrauches der|| || [solwenischen Sprache in den slowenischen Gebietsteilen des Oberlandesgerichtssprengels Graz] [] bezügli[chen Gesetz]esvorlage angeregt1. [Der Leite]r des Justizministe[riu]ms wolle aber gegenwär[ti]g von einer Gesetzesvorlage absehen, sondern nur durch eine an das Oberlandesgerichts-Präsidium in Graz zu richtende Verordnung die genaue Befolgung der für die fraglichen Gebietsteile bereits erlassenen Ministerialverordnungen vom 15. März 1862, vom 20. Oktober 1866 und vom 5. September 18672 einschärfen und insbesondere fordern, dass die Anordnung derselben, wornach alle in slowenischer Sprache überreichten Eingaben und so auch|| || [] werde. Zu[dem beabsich]tige der Minister, [die] Verordnung dem Präsidenten des Obersten Gerichts[ho]fes mitzuteilen und es demselben anheimzustellen, [in] der Sache einen Plenarbeschluss des Obersten Gerichtshofes hervorzurufen. Der Minister glaube, dass durch [e]ine solche streng gehaltene Verordnung der jetzt noch [in] fraglicher Beziehung be[st]ehende Widerstand der [Ge]richte gebrochen werden [d]ürfte3. Sollte es aber doch [n]otwendig werden, end[lic]h mit einem Gesetze vor[z]ugehen, so möchte er ein sol[ch]es Gesetz auf nur lediglich|| || []uches [im Ermessen] der Admi[nistrati]on liege, würde ein [solch]es Gesetz jedoch nichts [ande]res auszusprechen haben, als die ausdrückliche Anerkennung des Rechtes der Regierung, derlei Anordnungen mit verbindender Kraft zu erlassen.

Minister Freiherr v. Ziemiałkowski bemerkt, nachdem der Leiter des Justizministeriums selbst jetzt von der Einbringung eines Gesetzentwurfes absehe, so müsse er (Minister Freiherr v. Ziemiałkowski) nur wünschen, dass in der anlässlich der Verordnung an den|| || [] Freiherr v. [Ziemiałkowski] sei der Überzeu[gung,] dass die Betretung des [Ge]setzesweges zur Regelung [de]r fraglichen Angelegen[he]it nicht nur nicht am [P]latze, sondern geradezu un[z]ulässig wäre.

Der Finanzminister schließt [si]ch der Anschauung des Ministers Freiherrn v. Ziemiałkowski an, in[de]m er betont, dass er niemals [zu]stimmen könnte, dass über [d]as Meritorische der Sprachen[f]rage in Österreich mittelst eines Gesetzes entschieden würde.

In der weiteren Dis[k]ussion wird anerkannt, dass|| || [] Minister Freih[err v. Ziemiał]kowski, dass höch[stens ein] Gesetz erlassen wer[den] könnte, welches anordne[nen soll], dass über die Frage, ob [ei]ne Sprache als landesüblich anzusehen sei, die Verwaltungsbehörde zu entscheiden habe.

Vom Ministerrate wird das vom Leiter des Justizministeriums beabsichtigte verordnungsweise Vorgehen genehmigend zur Kenntnis genommen4.

II. Frage der Einstellung der Schwurgerichte in Dalmatien

II. ℹ️Minister Dr. Pražák als Leiter des Justizministeriums bringt|| || [] Maßregel habe [er Erhe]bungen eingeleitet5. [Aus] denselben gehe hervor, [da]ss von Straffällen aus An[la]ss des Aufstandes anhängig [se]ien6: in den Kreisgerichts[sp]rengeln Spalato und Ragusa [je] ein Fall, im Landesgerichts[sp]rengel Zara kein Fall und dass in Cattaro zwar mehrere Fälle anhängig, jedoch zumeist mangels der Habhaftwerdung [d]er Täter noch nicht so weit [r]eif seien, um zur Verhandlung gebracht werden zu kö[n]nen. Darnach hätte die Einstellung in Cattaro, wo übrigens [a]uch keine weitere Session [n]och angekündigt sei, gar|| || [] dieses [später in Bet]racht zu nehmen[. In]des scheine es aber [jetzt] nicht angemessen, mit [de]r Maßregel der Einstellung vorzugehen. Der Minister beabsichtige daher keinen diesbezüglichen Antrag zu stellen.

Die Eröffnung wird zur Kenntnis genommen7.

III. Erwirkung des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse für den Oberlandesgerichtsrat Hypolit Kufelkowski

III. ℹ️Minister Dr. Pražák als Leiter des Justizministeriums erbittet sich die Zustimmung des Ministerrates zu dem Vorha|| || [ben, für den Oberlandesgerichtsrat Hypolit Kufelkowski in Anerkennung sei]ner 46-jährigen [treuen] und ausgezeichneten [Dien]stleistung den Orden der [Eis]ernen Krone III. Klasse zu er[w]irken und teilt aus dem In[ha]lte des diesfalls zu erstatten[de]n au. Vor[t]rages die wesentlichsten Ver[d]ienstmomente mit. Der Ministerrat erklärt einhellig seine Zustimmung8.

IV. Stand der Verhandlungen bezüglich der Zolltarifsvorlage

IV. ℹ️Der Ministerpräsident befragt den Handelsminister über den Stand der Verhandlungen bezüglich der Zolltarifsvorlage9.|| || [] [Re]gierung [von] den Fragen über die [Differen]zialzölle für die Ein[fuhr] zur See abhänge. Die Differenzen über die Zollsätze an sich seien als beglichen anzusehen, entweder seien sie bereits definitiv ausgetragen oder sie seien solche, hinsichtlich deren Begleichung kein Anstand mehr obwaltet. In der Frage der Differenzialzölle sei nur von Bedeutung die Detaxe für Kaffee und sei man über deren Höhe eben noch nicht einig. Die ungarische Regierung wollte bisher nur eine Detaxe von 3 fl. zugeben, während man von Seite des Ausschusses10 5 fl. wünsche.|| || [] sei allerdings []. Bisher habe es [sich dies]falls zurückhaltend be[nom]men. Vielleicht gehe Un[g]arn nur ein gegen ein weiteres Äquivalent, nachdem [vo]m ursprünglich begehrten Vollzoll abgegangen wurde und Ungarn bisher als Äquivalent nur eine Detaxe für rohen Reis erhalten habe. Die Sache werde also bei der morgigen Verhandlung mit den ungarischen Ministern entschieden werden müssen11. Gelinge es, die Detaxe für Kaffee auf 4 fl. zu bringen, so werde der Finalisierung des Gegenstandes und der Vollberatung des Tarifes nichts mehr im Wege stehen.|| || [] der Handelmi[nister meint,] dass behufs der Ge[] Erleichterung mit Un[ga]rn vereinbart wurde, dass [in] Dalmatien eine Quantität von 100.000 Zentnern Mais und Hirse zollfrei eingeführt werden könne.

Der Ministerrat nimmt die Mitteilungen des Handelsministers zur Kenntnis12.

V. Zugestehung der einjährigen Freiwilligen-Dienstzeit für die Hörer der Tierarzneischule in Lemberg

V. ℹ️Der Landesverteidigungsminister beabsichtigt im Einvernehmen mit dem Reichskriegsministera und dema Ministerium für Kultus und Unterricht die Verfügung zu treffen, dass|| || [die Einjährig-Freiwilligen-Dienstzeit für die Hörer der Tierarzneischule in Lemberg we]gen [der Ver]dienste als Veterinäre [zuge]standen werde13, nachdem die Anforderungen, welche an die Schüler des Lemberger Insti[tu]tes sowohl hinsichtlich der Vorstu[f]en als der Lehrziele gestellt werden, den für die Studierenden des Wiener Institutes ganz gleich sind und der ausreichende Bedarf von Veterinären für den Kriegsdienst nicht gedeckt ist, und erbitte er sich hiezu die Zustimmung des Ministerrates.

Der Ministerrat erklärt seine Zustimmung14.

Ah. E. Ich habe den Inhalt dieses Protokolles zur Kenntnis genommen. Franz Joseph. Wien, am 2. Mai 1882.