MRP-1-3-07-0-18580614-P-0456.xml

|

Nr. 456 Ministerkonferenz, Wien, 1. und 14. Juni 1858 - Retrodigitalisat (PDF)

  • Sammelprotokoll; RS.; P. Marherr; VS. Buol-Schauenstein; BdE. (Buol 14. 6.), gesehen Bach 19. 6., gesehen Thun 22. 6., gesehen Toggenburg 24. 6., gesehen Bruck 24. 6., gesehen Kempen 25. 6. (am 14. 6. abw.), Nádasdy 25. 6., Für Se. Exzellenz den Herrn Ersten Generaladjutanten Sr. Majestät Kellner 26. 6.

KZ. 2212

[Tagesordnungspunkte]

Protokoll der zu Wien am 1. und 14. Juni 1858 abgehaltenen Ministerkonferenz unter dem Vorsitze des Ministers des kaiserlichen Hauses und des Äußern Grafen v. Buol-Schauenstein.[Sitzung vom 1. Juni 1858][anw. Buol-Schauenstein, Bach, Thun, Toggenburg, Bruck, Kempen, Nádasdy, Kellner]

[I.] Suez-Kanal

Die Beanständung, welche die von dem tg. gefertigten vorsitzenden Minister des Äußern an den k. k. Internuntius in Konstantinopel in betreff des Lesseps’schen Projekts zur Durchstechung der Landenge von Suez erlassene Instruktion und Weisungen1 sowie ein in diesem Sinne abgefaßter Zeitungsartikel2 von Seite der Minister des Handels und der Finanzen erfahren haben, veranlaßte den tg. Gefertigten, diese Angelegenheit nach dem Wunsche dieser beiden Minister in der Konferenz zum Vortrage zu bringen. Mit dieser Instruktion und mit diesen Erlässen wurde dem k. k. Internuntius bedeutet, daß, so wenig österreichischerseits die kommerziellen Vorteile verkannt würden, welche die Ausführung des gedachten Projekts zu gewähren verspreche, es politischerseits bedenklich wäre, dasselbe unbedingt zu befürworten, solange eine Übereinstimmung der Großmächte darüber nicht zustande gekommen und insbesondere die englische Regierung von ihrer dem Projekte nicht günstigen Ansicht zurückgetreten sei. Baron Prokesch habe daher || S. 41 PDF || der Pforte zu überlassen, hierbei ihr eigenes Interesse ins Auge zu fassen, indem es wünschenswert sei, daß das Projekt bloß durch den freien Beschluß der türkischen Regierung zustande komme. Über diese, den Ministern des Handels und der Finanzen mitgeteilten Weisungen haben die beiden Minister ihre Meinung, daß deren Inhalt dem Standpunkte, welchen die österreichische Regierung in dieser Sache einzunehmen berufen sei, nicht entspreche, dem tg. Gefertigten mit dem Wunsche bekanntgegeben, diese Angelegenheit in der Konferenz einer näheren Erörterung zu unterziehen3.

Diesem Begehren entsprechend, bemerkte der tg. Gefertigte: Die in Rede stehende Angelegenheit sei noch nicht in jenes Stadium getreten, in welchem sie als eine politische Frage der österreichischen Regierung angesehen werden könnte. Um als solche zu gelten, müsste eine Ah. Aufforderung Sr. Majestät oder der k. k. Ministerien oder einer fremden Regierung dazu offiziell vorliegen. Keiner dieser Fälle sei bisher eingetreten. Vielmehr seien die Unterredungen, welche der tg. gefertigte Minister des Äußern teils während des Kongresses zu Paris, teils hier in Wien mit Ferdinand v. Lesseps gehabt, solcher Art gewesen, daß ihnen ein offizieller Charakter umso weniger beigelegt werden könnte, als Lesseps auf die an ihn gestellte Frage, ob er mit einer amtlichen Empfehlung seiner Regierung ausgestattet sei, nur ausweichend antwortete, und bekannt wurde, daß auch die französische Botschaft in Konstantinopel nicht beauftragt sei, das Projekt im Namen der Regierung bei der Pforte zu unterstützen. Unter diesen Umständen sei also die Frage für die k. k. Regierung noch eine offene, und darum sei es auch erforderlich gewesen, den k. k. Internuntius dahin zu instruieren, seine Haltung in derselben der Pforte gegenüber so einzurichten, daß ihrer endlichen Entscheidung in keiner Weise vorgegriffen, noch die Stellung der k. k. Regierung kompromittiert werde.

Soll der tg. gefertigte Minister des Äußern aus dem gegenwärtigen Anlasse seine Ansicht über das Meritum der Frage aussprechen, so würde er vor allem den zwiefachen Standpunkt hervorheben, von welchem aus sie [zu] betrachten ist, nämlich, die kommerzielle und die politische Seite derselben.

In kommerzieller Beziehung wird jedes Projekt, sei es noch so abenteuerlich und schwierig in der Ausführung, jederzeit willkommen sein denjenigen, denen es eine ungemessene Entwickelung des Handelsverkehrs in Aussicht stellt. Es ist also nicht zu verwundern, || S. 42 PDF || daß das Projekt Lesseps von der Handelswelt so freudig begrüßt wurde. Dennoch erlaubt sich der tg. Gefertigte den Zweifel zu äußern, ob die ungemessene Entwicklung und Erweiterung des Handelsverkehrs den vorausgesetzten Nutzen unbedingt auch in nationalökonomischer Beziehung zu gewähren geeignet sei. Angenommen, der Durchstich der Landenge von Suez kommt zustande, so wird der Österreichische Lloyd die ihm dabei gebotene Gelegenheit zur Ausdehnung seiner Schiffahrt benützen und das Feld seiner Tätigkeit erweitern wollen. Allein, schon gegenwärtig bewältigt er seine von Jahr zu Jahr selbst vergrößerte Aufgabe nur vermittelst der ihm im vorigen Jahr gewährten namhaften Subvention vom Staate, und es ist wohl vorauszusehen, daß eine weitere Ausdehnung seines Kommerzes bis nach Indien neue Opfer von Seite der österreichischen Finanzen in Anspruch nehmen werde4. Die Zeit- und insbesondere unsere finanziellen Verhältnisse scheinen aber nicht geeignet zu sein, fort und fort Millionen herbeizuschaffen, um den Bestand einer über die Grenze des Möglichen sich zu erweitern strebenden Handelsgesellschaft zu garantieren. Dabei darf man nicht vergessen, daß sowohl der Lloyd als unsere Handelsmarine überhaupt mit einer überlegenen Konkurrenz zu kämpfen haben wird, welche die von der Ausführung des Projekts gehofften Vorteile, wo nicht vereiteln, doch sicher auf ein sehr beschränktes Maß zurückführen dürfte. Endlich haben die von dem k. k. Generalkonsul in Ägypten gelieferten Notizen wenig Befriedigendes über die Ausführbarkeit des Lesseps’schen Unternehmens geliefert.

Noch größere Bedenken ergeben sich gegen dessen Zulassung vom politischen Standpunkte. Die möglichen Folgen einer Kanalisierung der Landenge von Suez lassen sich kaum ermessen. Eine der ersten dürfte die Losreißung Ägyptens von der türkischen Hoheit sein. Die kontinentale Trennung des ersteren von dem Gebiete der Türkei gibt ihm einen so willkommenen Anlaß, daß es ohne Zweifel den Versuch machen wird, die schon einmal auf eine Zeit lang errungene Unabhängigkeit wieder zu erstreben. Schon ein solcher Versuch muß zu Verwicklungen führen, die das bisher noch glücklich erhaltene gute Einvernehmen zwischen den Großmächten stören und alle von dem Projekt erwarteten kommerziellen Vorteile auf lange Zeit zunichte machen werden. Gelänge der Versuch, so ist nicht nur keine Beruhigung, sondern vielmehr noch eine größere Komplikation zu erwarten. Denn kaum wird es Ägypten gelingen, seine Unabhängigkeit zu behaupten; es wird vielmehr Gegenstand der Eifersucht der beiden großen maritimen Westmächte sein und früher oder später die Beute der einen oder der anderen werden. Der hieraus resultierende Zwiespalt unter den europäischen Mächten würde von den verhängnisvollsten Folgen für unsere politischen und kommerziellen Verhältnisse begleitet sein. Man will zwar solchen Folgen durch die Neutralitätserklärung des Kanals oder durch Errichtung von Festungen mit Besatzungen der Großmächte vorbeugen. Allein, jedermann weiß, was von solchen Maßregeln zu halten ist. Der Mächtige läßt sich durch sie in der rücksichtslosen Verfolgung seiner Interessen nicht einschränken.

Nach der Überzeugung des tg. gefertigten Ministers des Äußern läßt die gegenwärtige Gestaltung der politischen Verhältnisse hoffen, daß das Unternehmen nicht zustande || S. 43 PDF || kommen werde. Er halte darum auch seine Weisung an Baron Prokesch für gerechtfertigt, daß es gegenwärtig nicht angemessen sei, bei der Pforte im Namen der österreichischen Regierung eine Angelegenheit zu befürworten, welche ihr offiziell nicht vorliegt, von der Regierung einer anderen Großmacht offen gemißbilligt und nicht einmal von der eigenen Regierung des Proponenten ämtlich unterstützt wird5.

Fortsetzung am 14. Juni 1858. Vorsitz und Gegenwärtige wie am 1. Juni 1858 mit Ausnahme des Chefs der Obersten Polizeibehörde FML. Freiherrn v. Kempen.

Der Handelsminister lieferte aus seinen Akten6 eine Darstellung der bisherigen Vorgänge und Verhandlungen in dieser Angelegenheit, aus welcher Darstellung sich ergibt, daß schon vor dem Jahr 1848, also lange vor dem Auftreten des Ferdinand v. Lesseps, und zwar auf Veranlassung der österreichischen Regierung, sich mehrere inländische Körperschaften, aals: die Städte Triest und Venedig, die Börsedeputation von Triest, der Österreichische Lloyd und der niederösterreichische Gewerbeverein an der deutschen Gruppe der damals gebildeten Societé d’études beteiliget haben und daß ebenfalls auf Veranlassung der Regierung ein österreichischer Ingenieur an der mit den technischen Studien betrauten Kommission teilgenommen hat.a

Im Jahr 1848, infolge der revolutionären Wirren, beruhte das Projekt auf sich, bis es 1854 wieder – aus Anlaß eines Berichts des k. k. Internuntius und des Generalkonsuls in Alexandrien – von Seite des Ministers des Äußern bei dem Handelsminister wieder zur Sprache gebracht und b dem letzteren Anlaß geboten wurde, seine Ansichten darüber darzulegen. Diese wurden damals vom Ministerium des Äußern vollkommen geteilt, und die von demselben bei verschiedenen Anlässen an die auswärtigen Organe erlassenen Weisungen standen damit in voller Übereinstimmung. Noch im September vorigen Jahres erhielt das Handelsministerium vom Ministerium des Äußern die Mitteilung einer an den Generalkonsul Hueber7 in Alexandrien ergangenen Weisung (von der hier eine Abschrift zu Protokoll gelegt wird, Lit. A)c, in welcher diesem Agenten gesagt wurde, daß die österreichische Staatsverwaltung sich stets für das in Rede stehende großartige || S. 44 PDF || Unternehmen auf das lebhafteste interessiere, daß unsere Teilnahme an dem Gelingen desselben den beiden Regierungen Frankreichs und Englands wiederholt bekanntgegeben wurde und daß, wenn auch unter den gegenwärtigen Verhältnissen es der österreichischen Regierung geraten erscheinen kann, die Betreibung der Suezkanalangelegenheit einem günstigeren Zeitpunkte vorzubehalten, es doch jedenfalls wichtig erscheine, dem Generalstatthalter von Ägypten die etwa gehegte irrige Ansicht zu benehmen, als wenn Österreich in der Frage den englischen Standpunkt zu dem seinigen gemacht habe.

Umso überraschender mußte dem Handelsminister also die Wendung erscheinen, die in der neuesten Weisung des Ministeriums des Äußern an den Internuntius in dem Schreiben vom 27. März d. J. (wovon eine Abschrift hier produziert wird, Lit. B)d hervortrat, in welchem Schreiben gesagt wurde, daß man der Anschauungsweise des Ali Pascha (der sich dagegen ausgesprochen hatte) sich unbedingt anschließe und das Unternehmen als dermaßen bedenklich betrachten müsse, daß, vom politischen Standpunkte aus beurteilt, unter solchen Verhältnissen die Ausführung nicht in den Wünschen der österreichischen Regierung gelegen sein könne.

Es ist hierdurch ein Zwiespalt in der Stellung eingetreten, welche der k. k. Internuntius und der Generalkonsul in Alexandrien ihrer-, dann der Handelsminister seinerseits infolge der früheren Eröffnungen des Ministers des Äußern den Konsulaten und Handelskammern gegenüber eingenommen hat, und um dieses Zwiespalts willen und damit in der Angelegenheit der Frage volle Übereinstimmung zwischen den Ministerien herrsche, wünschte der Handelsminister die Angelegenheit vor die Konferenz und zur Ah. Entscheidung Sr. Majestät gebracht zu sehen.

Seiner Meinung nach verdient das Projekt der Durchstechung der Landenge von Suez noch ferner die warme Teilnahme, welche ihm die österreichische Regierung vom Anfang gezollt hat. Es ist nach vorausgegangenen genauen Aufnahmen und Studien von den kompetentesten Fachmännern wiederholt reiflich geprüft und für ausführbar erklärt worden. Die Meinung, daß die Niveauverhältnisse des Mittel- und Roten Meeres ein Hindernis der Ausführung seien, ist widerlegt worden. Der Plan erhielt die Genehmigung des unmittelbaren Landesherrn, und dessen Suzerän hat gestattet, daß der von jenem erteilten Konzession Folge gegeben werde. Endlich ist durch die Anlegung des Süßwasserkanals8 bereits ein annähernder Schritt zur Ausführung des Projekts getan worden, so daß dieses heute nicht mehr als eine bloße Chimäre, sondern als eine ernste und ausführbare Sache angesehen werden muß, in welcher die Regierungen eine Stellung einzunehmen berufen sind.

Wie der Minister des Äußern, so glaubte auch der Handelsminister die möglichen Wirkungen der Ausführung des Suezkanals von dem zwiefachen Standpunkte beleuchten zu sollen.

Vom kommerziellen Standpunkte ist es außer Zweifel, daß die Verwirklichung von dem größten Einflusse auf die maritimen Verhältnisse der Mittelmeerstaaten sein muß. Dies ergibt sich schon aus der Vergleichung der Distanzersparung, welche der Kanal den || S. 45 PDF || Indienfahrern gewähren wird. Aus den Häfen des baltischen Meeres beträgt die Länge des Wegs nach Indien gegenwärtig 15.000 Seemeilen und wird durch den Kanal verkürzt auf 8000, aus jenen der Nordsee von 14.000 auf 7000, aus dem Mittelmeer von 15.900 auf 6000 Seemeilen.

e Die Schiffahrtsbewegung zwischen den indischen Meeren und Europa beträgt, wenn man auch nur jene zwischen den Mutterländern und den Kolonien in Anschlag bringt, jährlich zirka 3500 Schiffe mit nahezu zwei Millionen Tonnen.

Man begreift, daß man an der Nordsee und vor allem in England geteilter Meinung darüber sein kann, ob es besser sei, auf dem gegenwärtigen langen Wege die nächsten, oder auf dem künftigen kurzen Wege die Entferntesten zu sein. Für die Mittelmeerstaaten aber und insbesondere für Österreich, für welches sich die indische Linie zu einer wahren Küstenfahrt gestalten würde, ist ein Zweifel über die immensen Vorteile, die der neue Handelsweg bieten würde, geradezu unmöglich.

Interessant ist es, sich hierüber von den englischen Gegnern des Projektes belehren zu lassen. Nicht die auf der englischen Ministerbank immer hervorgehobene technische Unausführbarkeit des Projektes, die sich ja von selbst richten würde, nicht die Gefahr einer Losreißung Ägyptens vom osmanischen Reiche ist das, was diese Herrn zu Gegnern des Projektes macht. Von dem früheren k. k. Konsulatskanzler in London, Baron Cattanei, der Gelegenheit und Geschick hatte, den englischen Grundgedanken in dieser Sache aufzufassen, liegt eine Mitteilung vor (von der hier ein Auszug niedergelegt wird, Lit. C)f, welche zeigt, daß eben der außerordentliche Aufschwung, welcher für die Schiffahrt der Mittelmeerstaaten durch den neuen Seeweg in Aussicht steht, und infolgedessen die Emanzipation von der bisher fast ausschließlich englischen Vermittlung des kostbarsten und gewinnreichsten aller Handelsverkehre (des indischen) dasjenige ist, was man in England fürchtet9. Man mag in den Äußerungen dieser Stimme aus England || S. 46 PDF || manches übertrieben finden und insbesondere weit entfernt sein, an eine Überholung des englischen Verkehrs durch den mittel[meer]ländischen zu glauben; aber lehrreich bleibt es immer, daß die Engländer den Gewinn, den die Mittelmeerstaaten von dem Suezwege zögen, als so zweifellos und evident ansehen, und sonderbar wäre es gewiß, die Resultate, an welche jenes ernste und rechnende Volk glaubt, bei uns, wo sie sich zu Hoffnungen gestalten, als Illusionen erklären zu wollen.

Was die politische Seite der Angelegenheit betrifft, so ist dagegen eingewendet worden, daß das Band zwischen Ägypten und der Türkei gelockert, ersteres Land der Zankapfel zwischen den Mächten und früher oder später die Beute eines derselben werde, daß die Befestigung des Kanals unpraktisch und die Beobachtung der Neutralität illusorisch sei. Allein, ges ist der Konferenz nicht klargemacht worden, warum die Eifersucht der Mächte, in der so viele kleinere Staaten die beste Gewähr ihrer Selbständigkeit finden, gerade rücksichtlich Ägyptens zur Gefahr für seinen Bestand werden soll, und wenn an der Wirksamkeit eines völkerrechtlichen Übereinkommens bezüglich der Gleichstellung aller Flaggen auf dem Suezkanal gezweifelt wirdg, so müßte an der Aufrechthaltung aller durch feierliche Traktate festgesetzten völkerrechtlichen Bestimmungen gezweifelt werden. Es liegt aber kein besonderer Grund vor anzunehmen, daß gerade der über hjene Parifikation der Flaggen auf dem Suezkanaleh abzuschließende Vertrag nicht werde gehalten werden. Fürst Metternich, von dem die Idee zu dieser Neutralitätserklärung ausgegangen ist, muß wenigstens die gegenteilige Überzeugung gehabt haben.

Wenn die englischen Minister iund ein Teil der englischen Nation (denn ein anderer Teil derselben agitiert schon jetzt für das Projekt)i bisher dem Projekte nicht günstig waren, so ist doch eine Umkehr gewiß nicht unmöglich, ja sogar nicht unwahrscheinlich, weil die Kanalisierung der Landenge von Panama sie wohl auf andere Gedanken führen wird. Durch diese rücken die nordamerikanischen Freistaaten den indischen Besitzungen Großbritanniens um 7000–8000 Seemeilen näher, und da England mit Recht nichts so sehr zu fürchten hat, als die Rivalität der Nordamerikaner, so liegt es in seinem Interesse, sich den Vorteil nicht entgehen zu lassen, der ihm mittelst des Suezkanals durch Abkürzung des Seewegs nach Indien so offenbar geboten wird. Gern wird es also die Neutralität des Kanals anerkennen, wie es auch dieselbe rücksichtlich der Landenge von Panama sogleich verlangt und durchgesetzt hat. Es ist durch die Besetzung von Perim bereits im Besitze des Schlüssels zum Roten Meere jund hat dadurch die militärische Gefahr, die ihm der Kanal bringen könnte, schon zum voraus gründlich beseitiget, womit wenigstens einer der Gründe seiner bisherigen Opposition gefallen istj .

Der Handelsminister war daher der Meinung, die k. k. Regierung möge, konsequent mit der seit 15 Jahren festgehaltenen Ansicht k sich auch fortan als Gönnerin des Projektes || S. 47 PDF || zu erkennen geben und dem großen Unternehmen, zu welchem keine Mitwirkung ihrer Finanzen angesprochen wird und dessen Früchte ihr ohne Opfer in den Schoß fallen werden, ihren moralischen Beistand nicht entziehen, sie möge eine Sache nicht verlassen, an die sich für das eigene Land so große Hoffnungen knüpfen und für die sich die eigene Bevölkerung bis zu einem gewissen Grade schon erwärmt hat und voraussichtlich immer mehr erwärmen wird, sie möge das offenkundige Interesse Österreichs nicht verleugnen, bloß deshalb, weil einerseits eine andere Macht das Unternehmen mit ungünstigem Auge ansieht und andererseits nicht Österreich allein, sondern auch andere Staaten daraus Nutzen ziehen werden, sie möge zu einem völkerrechtlichen Übereinkommen wegen Parifikation der Flaggen auf dem Kanale, von welcher Seite es immer angeregt werde, die Hand bieten und es nach Umständen nicht verschmähen, hierin selbst die Initiative zu ergreifen.

Daß sie bei alledem immerhin jene Zurückhaltung beobachte, die ihr gegenwärtig durch die Pflege ihrer guten Beziehungen zu England geboten erscheint, daß sie nicht zur Unzeit als Drängerin in der Sache auftreten, daß sie sich nicht für den Unternehmer, sondern für das Unternehmen und dafür zu interessieren habe, daß dem Vizekönig von Ägypten, der den Kanal will, die Freiheit werde, ihn zu machen, das alles versteht sich von selbst. Aber die letzten Weisungen an den Internuntius gehen weiter, und die auswärtigen Organe werden sich infolge derselben unfehlbar als Gegner des Projektes benehmen, was zum Teil auch schon erkennbar geworden ist, und deshalb erscheint eine neue Instruktion an dieselben angezeigt, welche sie auf den früheren Standpunkt zurückführe.

Der Handelsminister schließt mit der Bemerkung, daß er bei Besprechung dieses Gegenstands in der Konferenz nur den Zweck habe, in einer, wie ihm scheint, für die österreichische Handelspolitik wichtigen Frage bei dem hervorgetretenen Zwiespalt der Ansichten eine bestimmte Richtschnur seines Benehmens zu erlangen.

Der Finanzminister lieferte mit den in Abschrift beiliegenden Aktenstücken von 1843 und 1844 (Beilage D, 2 Stück, Beilage E, 1 Stück)l den Beweis, daß die Angelegenheit der Kanalisierung der Landenge von Suez schon damals von der k. k. Regierung als eine ihrer wärmsten Teilnahme und Unterstützung würdige angesehen worden sei. Fürst Metternich bezeichnete darin die Erbauung dieses Kanals als eine unfehlbar zu gewärtigende Tatsache, als ein Weltereignis erster Größe etc., er hegte die Überzeugung, daß selbe für Österreich eine Zukunft zu eröffnen geeignet sei, in welcher der Kaiserstaat in die Reihe der vorzüglichsten Handelsstaaten zu treten berufen ist. Sie wäre daher, selbst als bloßer politischer Gedanke, der größten Anstrengung von Seite der österreichischen || S. 48 PDF || Regierung wert, und da nun auch die Herstellung der direkten Verbindung einstweilen auf dem Landwege zugunsten der englisch-indischen Post über österreichische Häfen bewirkt werden wolle, so werde es sich Fürst Metternich zur angelegentlichsten Sorge machen, den Pascha von Ägypten zu vermögen, daß er sich unverzüglich mit der Ausführung des Verbindungskanals beschäftige. In der Beilage 2 geht Fürst Metternich selbst in Details der Ausführung ein, aus welchen nur hervorgehoben werden mag, daß dem Pascha und der Pforte als Oberherrn zur Deckung der Anlage- und Erhaltungskosten die Abnahme eines Zolls von den den Kanal befahrenden Schiffen garantiert und keiner Macht ein ausschließlicher Einfluß auf den Kanal eingeräumt werde. Solchen, sowohl an den damaligen Hofkammerpräsidenten10 als an den Generalkonsul in Alexandrien11 gemachten Eröffnungen gegenüber war es wohl erlaubt, diese Angelegenheit als eine offizielle österreichische Frage anzusehen, umsomehr, als infolge der weiteren Unterhandlungen die Absendung der technischen Kommission zustande kam, welche über die Ausführbarkeit des Kanals an Ort und Stelle die eindringlichsten und umfassendsten Studien gemacht hat. In diesem Sinne hat der Finanzminister auch in seinen früheren Stellungen als Direktor des Österreichischen Lloyd, als Handelsminister und als Internuntius die Frage immer aufgefaßt12. Es mußte ihn also sehr überraschen, daß der Minister des Äußern in seinen neuesten Erlässen eine von der k. k. Regierung bisher mit dem lebhaftesten Interesse verfolgte Angelegenheit habe fallen lassenm .

In merito hat der Handelsminister bereits über die kommerzielle und politische Bedeutung der Angelegenheit sich ausgesprochen. Dem Finanzminister erübrigen noch einige Bemerkungen in letzterer Beziehung, wozu er sich vermöge seiner vormaligen Anstellung als Internuntius berufen hält. Eben zu jener Zeit und noch vor Lesseps Auftreten kam die Suezkanalfrage in Konstantinopel zur Sprache. In voller Kenntnis von der Anschauung der k. k. Regierung nahm er als Internuntius keinen Anstand, sich derselben gemäß der Pforte gegenüber in der günstigsten Weise für das Projekt auszusprechen. Als Lesseps kam, aber jede offizielle Vertretung seiner Angelegenheit ablehnte, um unter den Vertretern der Mächte keine Eifersucht zu erregen, wandte sich das Pfortenministerium im vertraulichen Wege an den Internuntius und erhielt von ihm eine ähnliche Antwort wie früher. Er hob hervor, daß die Pforte von der Durchstechung der Landenge keine Gefahr einer Losreißung Ägyptens zu befürchten habe, da dieses durch die Eifersucht der Großmächte, nwie die Vorgänge im Jahre 1840 beweisen,n gehalten werde, daß vielmehr ihr selbst ein wesentlicher Vorteil daraus erwachsen werde, indem der Kanal ihre Verbindung mit ihren Besitzungen am Roten Meere erleichtern und hiermit ihren Einfluß, besonders in religiöser Beziehung, auf die heiligen Orte etc. || S. 49 PDF || vergrößern werde. oDamals waren die türkischen Minister ebenfalls dieser Ansicht und nur Lord Stratfort konnte sie von einer Erklärung in diesem Sinne abhalten. Wenn jetzt Ali Pascha politische Bedenken äußert, so ist es abermals England, das solche eingegeben, und nur die politische Haltung Frankreichs der Türkei gegenüber kann seine Äußerung erklären. In Wahrheit fürchten die Türken in Beziehung auf Ägypten England mehr als Frankreich. Man denke an Asien und Persien.o Damals waren die türkischen Minister ebenfalls dieser Ansicht und nur Lord Stratfort13 konnte sie von einer Erklärung in diesem Sinne abhalten. Wenn jetzt Ali Pascha politische Bedenken äußert, so ist es abermals England, das solche eingegeben, und nur die politische Haltung Frankreichs der Türkei gegenüber kann seine Äußerung erklären. In Wahrheit fürchten die Türken in Beziehung auf Ägypten England mehr als Frankreich. Man denke an Asien und Persien. Noch sei der gewichtigen Stimme eines englischen Staatsmannes, des vormaligen Generalgouverneurs von Indien, Lord Ellenborough, erwähnt, welcher sagte: „Wenn England den Kanal von Suez nicht hat und Ägypten nicht sichert, so ist seine Stellung in Indien pund Europap gefährdet.“ Ein Beweis mehr, daß England früher oder später zur Erkenntnis des wahren Vorteils gelangen muß, der ihm selbst aus der Kanalisierung erwachsen wird.

In technischer Beziehung bietet der Ausspruch eines Areopags von Kunstverständigen über die Ausführbarkeit des Projekts jedenfalls mehr Bürgschaft dar, als das Urteil eines einzigen, dessen Äußerungen überdies von dem berühmtesten Hydrostatiker beleuchtet und auf das vollständigste widerlegt worden sind.q,14

In finanzieller Beziehung ist vorderhand nur festgestellt, daß ein Kapital von 200 Millionen fr. durch Aktien aufgebracht und allen größerenr Nationen, svornehmlich aber Österreichs, die Teilnahme an der Verwaltung gesichert werden soll. Von einer Inanspruchnahme der Staatsfinanzen ist keine Rede. Wenn aber der Minister des Äußern andeutet, daß der Österreichische Lloyd zunächst und auf Kosten des Staatsärars werde Vorteil ziehen wollen aus der direkten Verbindung mit Indien, so fühlt sich der Finanzminister zu der Erwiderung verpflichtet, daß dieser Vorteil nicht dem Lloyd, sondern dem gesamten österreichischen tSeehandel und Seeschiffahrtt zugute kommen werde, und daß der Vorwurf, der Lloyd vermöge seine Unternehmungen nur mit Beihilfe der Staatsfinanzen zu betreiben, denselben ungerecht treffe. Denn von seiner Gründung 1836 an bis 1854 hat er sich ohne die mindeste Unterstützung von Seite des Staates, selbst ohne Privilegium, erhalten und für die k. k. Regierung noch den Postdienst besorgt, während die gleichzeitig auf Kosten der französischen Regierung ins Leben gerufene Dampfschiffahrt auf den Routen des Lloyd im Jahre 1848 mit einem Verluste von 38 Millionen fr. einging und nur durch unentgeltliche Überlassung der Schiffe und eine jährliche Subvention von 3 Millionen fr. an die Compagnie des Messageries wieder hergestellt werden konnte. Erst infolge des Krimkriegs geriet der Lloyd in jene Verlegenheit, || S. 50 PDF || welche zum Antrage auf dessen Subventionierung mit jährlich einer Million Gulden auf zehn Jahre führte – ein Opfer, das gegenüber den 7–8 Millionen Frankenu kaum in Anschlag kommen kann, welche Frankreich für die Messageries gegenwärtig vzuschießt, um der österreichischen Dampfschiffahrt in der Levante förmlich den Krieg zu machen. Dasselbe tue jetzt auch die russische Regierung. Was Herrn v. Lesseps anbelangt, so habe derselbe bisher sich sehr korrekt in dieser Angelegenheit benommen und eben deshalb den Beistand der französischen Regierung nicht angerufen, um dem Unternehmen den notwendigen internationalen Charakter nicht zu benehmen. Lesseps gehe im strengsten Einverständnis mit dem Vizekönig von Ägypten vor, erscheine als Inhaber des von letzerem erlassenen Fermans zur Bildung einer europäischen Gesellschaft für die Ausführung des Kanals und sollizitiere im Namen des Vizekönigs um die Genehmigung der Pforte und bei den europäische Höfen um die Feststellung des bezüglichen internationalen Aktes nach den Andeutungen des Fürsten Metternich.v

Der Finanzminister muß daher, in voller Übereinstimmung mit dem Handelsminister, seine Meinung dahin abgeben, es liege für die k. k. Regierung kein Anlaß vor, die Stellung zu verlassen, welche sie in der Suezfrage von Anbeginn eingenommen hat, und wenn auch die gegenwärtigen politischen Konjunkturen für den Augenblick ein unmittelbares Einschreiten zugunsten des Projekts nicht gestatten, so habe sie doch wenigstens demselben nicht entgegenzutreten, vielmehr den ersten günstigen Moment, der sich darbietet, zu ergreifen, um die zur Ausführung nötigen internationalen Akte in die Hand zu nehmen.

w Wenn es eine Frage gebe, so sei es die Suezkanalfrage, in welcher Österreich seine Machtstellung beurkunden und eine unabhängige Politik befolgen solle. Dunkle, unaussprechliche politische Bedenken zählen nichts gegenüber den unermeßlichen handelspolitischen Vorteilen, die daraus vornehmlich für Österreich erwachsen würden. Ein Blick auf die beigeheftete Tabelle von Entfernungen zwischen Ceylon als dem Punkt, den alle Schiffer nach Ostindien und China auf der Fahrt hin und herwärts aufsuchen, und den bedeutendsten europäischen Seehäfen wird diese Behauptung mehr bekräftigen als alle Abhandlungen.

Um Ceylon zu erreichen hat man zurückzulegen:

../resources/img/a3-b7-z456-001.jpg

|| S. 51 PDF || Der Minister des Inneren bezweifelte, ob die Konferenz ein Gutachten in dieser Frage abzugeben berufen sei. Die Weisungen, welche der Minister des Äußern neuestens über das Lesseps’sche Projekt an den Internuntius zu erlassen in dem Falle war, beruhen auf den gegenwärtigen politischen Beziehungen, welche es ihm nicht rätlich erscheinen lassen, daß die k. k. Regierung sich dermal in dieser Angelegenheit voranstelle. Hierüber zu urteilen, sei der Minister des Äußern allein kompetent, und es liege nach dem Erachten des Ministers des Inneren dermal kein Grund vor, schon in eine meritorische Begutachtung der durch jene Weisung noch nicht präjudizierten Frage einzugehen. Wenn, wie sich jetzt herausstellt, die persönlichen Ansichten der einzelnen Minister hierüber auseinandergehen, so sei zwar zu wünschen, daß eine Einigung erzielt werde. Indessen vermöchte der Minister des Inneren in dem Stadium, worin die Angelegenheit sich jetzt befindet und wo der Gedanke an die wirkliche Ausführung noch fern liegt, eine der Auffassung des Ministers des Äußern entgegengesetzte Ansicht nicht zu vertreten. Denn der Standpunkt, von welchem Fürst Metternich die Sache als von der ägyptischen Regierung selbst angeregt betrachten mußte, ist wesentlich verschieden von demjenigen, unter dem sie sich gegenwärtig als ein nach Jahren von einem bloßen Privatmann wieder aufgenommenes Projekt darstellt, welches nicht einmal von der eigenen Regierung des Proponenten unterstützt, von der Regierung der Landeshoheit mit Besorgnis angesehen und von einer andern Großmacht offenbar bekämpft wird. Unter diesen Verhältnissen schiene es auch dem Minister des Inneren nicht angemessen, wenn die k. k. österreichische Regierung mit einer direkten Unterstützung des Lesseps’schen Vorschlags die Initiative ergreifen würde.

Der Kultusminister fand es bei der hohen Bedeutung der in Rede stehenden Angelegenheit und wegen der zwischen den Ministern bestehenden Meinungsverschiedenheit sehr erwünscht, daß sie in der Konferenz zur Sprache gebracht wurde xund dadurch die Frage zur Ah. Entscheidung Sr. Majestät gelangen werde, ob es künftig einem österreichischen Minister erlaubt sein solle, sich offen für das Projekt auszusprechen.x Nach der Ansicht des Kultusministers ist es nicht zu bezweifeln, daß die Wirkung der Ausführung dieses Werks auf die gesamte Handelsbewegung des Mittelmeers eine unermeßliche sein und ydadurch insbesondere der österreichischen Handelsschiffahrt einen mächtigen Aufschwung geben werde. Es scheint ihm also ganz unmöglich, daß die k. k. Regierung über ein solches Projekt nicht eine feststehende Meinung habe. Die Idee desselben ist in Österreich mit einer gewissen Wärme als eine solche aufgenommen worden, welche zunächst Österreichs Interessen berührt und zu fördern geeignet ist. Es ist auch für die allmähliche Entwickelung eines österreichischen Bewußtseins nicht gleichgültig, wenn die Regierung in der Behandlung solcher Fragen schwankt. Daß es von den jeweiligen politischen Konjunkturen abhängen müsse, inwieweit die österreichische Regierung ihren Einfluß geltend machen solle, um das Projekt durchzusetzen, wird auch von den Herren Ministern des Handels und der Finanzen anerkannt. Aber sehr wünschenswert scheine es, daß die Art und Weise, wie seinerzeit Fürst Metternich die Frage aufgefaßt hat, als die österreichische Auffassung festgehalten werde, daß folglich weder unter den Regierungsorganen noch in weiteren Kreisen, weder im In- noch im Auslande einem Zweifel darüber stattgegeben werde, ob die Herstellung des Suezkanals für Österreich wünschenswert sei.y dadurch insbesondere der österreichischen Handelsschiffahrt einen mächtigen Aufschwung geben werde. Es scheint ihm also ganz unmöglich, daß die k. k. Regierung über ein solches Projekt nicht eine feststehende Meinung habe. Die Idee desselben ist in Österreich mit einer gewissen Wärme als eine solche aufgenommen worden, welche zunächst Österreichs Interessen berührt und zu fördern geeignet ist. Es ist auch für die || S. 52 PDF || allmähliche Entwickelung eines österreichischen Bewußtseins nicht gleichgültig, wenn die Regierung in der Behandlung solcher Fragen schwankt. Daß es von den jeweiligen politischen Konjunkturen abhängen müsse, inwieweit die österreichische Regierung ihren Einfluß geltend machen solle, um das Projekt durchzusetzen, wird auch von den Herren Ministern des Handels und der Finanzen anerkannt. Aber sehr wünschenswert scheine es, daß die Art und Weise, wie seinerzeit Fürst Metternich die Frage aufgefaßt hat, als die österreichische Auffassung festgehalten werde, daß folglich weder unter den Regierungsorganen noch in weiteren Kreisen, weder im In- noch im Auslande einem Zweifel darüber stattgegeben werde, ob die Herstellung des Suezkanals für Österreich wünschenswert sei.

Der Justizminister war des Erachtens, daß in formeller Hinsicht über die Meinungsdifferenz der Minister die Ah. Entscheidung Sr. Majestät mittelst des Konferenzprotokolls eingeholt werde. In merito hielt er zwar das Projekt kommerziell für vorteilhaft, getraute sich aber zkeineswegs darüber, ob nicht vielleicht diplomatische wichtigere Rücksichten die einst zu hoffenden kommerziellen Vorteile gegenwärtig überwiegen,z eine bestimmte Ansicht zu äußern, und glaubte daher, daß die k. k. Regierung für itzt, wo aanoch von keiner Macht eine Aufforderung vorliegt, nicht genötigt sei, sich für oder gegen die Ausführung auszusprechen.aa

Der Generaladjutant Sr. Majestät, FML. Freiherr v. Kellner , war mit der Meinung des Kultusministers einverstanden und erachtete, daß die k. k. Regierung, wenn sie auch derzeit sich bbaus politischen Rücksichtenab nicht bestimmt finden sollte, die Kanalisierung zu befürworten, sie sich doch ccin Konsequenz der von der kaiserlichen Regierung seit 15 Jahren bei verschiedenen Anlässen und erst am 26. September vorigen Jahres gegen die Pforte und den Vizekönig abgegebenen unzweifelhaft zustimmenden Ansichtsäußerungac in Konsequenz der von der kaiserlichen Regierung seit 15 Jahren bei verschiedenen Anlässen und erst am 26. September vorigen Jahres15 gegen die Pforte und den Vizekönig abgegebenen unzweifelhaft zustimmenden Ansichtsäußerung auch nicht gegen das Unternehmen aussprechen möge.

Schließlich bemerkte der tg. gefertigte Minister des Äußern , er habe von den durch die Minister des Handels und der Finanzen zur Sprache gebrachten Verhandlungen von den Jahren 1843 und 1844 keine Kenntnis gehabt. Wenn er sie aber auch gehabt hätte, so würde er sich doch nicht haben verhehlen können, welch ein großer Unterschied zwischen den politischen Verhältnissen von 1844 und von 1858 besteht. Da nun die politischen Verhältnisse der Gegenwart es nicht rätlich erscheinen lassen, daß die k. k. Regierung in einer Angelegenheit die Initiative ergreife, welche bisher von keiner fremden Macht unterstützt, von England geradezu mißbilligt und selbst von der Ottomanischen Regierung mit Mißtrauen angesehen wird, so erübrigte wohl nichts anders, als dem Internuntius die größte Zurückhaltung in dieser Sache zu empfehlen, damit durch ein vorzeitiges Auftreten kein Anlaß zu Verwicklungen gegeben werde. Eine feindliche || S. 53 PDF || Haltung oder ein direktes Widerstreben gegen die Genehmigung des Lesseps’schen Planes wurde dem Internuntius nicht anbefohlen. Wie weiter vorzugehen sei, muß von der Ah. Entscheidung Sr. Majestät abhängig gemacht werden16.

Ah. E. Ich habe den Inhalt dieses Protokolles zur Kenntnis genommen. Franz Joseph. Wien, am 23. Februar 1859.