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Nr. 104 Ministerrat, Wien, 15. August 1848 - Retrodigitalisat (PDF)

  • RS.; P. Ransonnet; VS. fehlt; BdE. und anw. Doblhoff, Krauß, Latour, Bach, Schwarzer (keine BdE.), Hornbostel; abw. Wessenberg; BdE. Franz Karl (18. 8.).

MRZ. 1993 –

Protokoll der Sitzung des Ministerrates am 15. August 1848.

I. Geldgeschenk des Kaisers anläßlich seiner Rückkehr nach Wien

Der Minister des Inneren eröffnete, daß Se. Majestät der Kaiser die Ah. Rückkehr nach Wien1 zum Anlasse eines Aktes der Ah. Munifizenz zu nehmen beabsichtigen und den Anträgen des Ministerrates über die Widmung entgegensehen, welche der von Sr. Majestät aus der Ah. Privatkasse dafür anzuweisenden Summe zu geben wäre.

Sämtliche anwesende Minister vereinigten sich in dieser Beziehung mit dem Antrage des Freiherrn v. Dolbhoff, daß die Ah. Absicht einer wahrhaft gemeinnützigen und wohltätigen Widmung des Ah. Gnadengeschenkes am besten dadurch erreicht werden könnte, wenn die diesfällige Summe demjenigen Fonds zugewendet würde, welcher nach den früheren Beschlüssen des Ministerrates demnächst gebildet werden wird2, um die durch die dermaligen Konjunkturen erwerbslos gewordenen Gewerbsleute und kleineren Fabrikanten in den Stand zu setzten, ihre Arbeiten wieder aufzunehmen3.

II. Instruktionen für Alois Negrelli v. Moldelbe

Der Minister der öffentlichen Arbeiten verlas die Instruktion, welche er dem in Angelegen­heiten des Ministeriums nach dem lombardisch-venezianischen Königreiche abzusendenden R[itter v.] Negrelli zu erteilen beabsichtigt. Gegen den Inhalt dieser Instruktion wurde von keiner Seite eine Erinnerung erhoben4.

III. Reorganisierung der „Wiener Zeitung“

Minister Edler v. Schwarzer entwickelte seine Ansichten über die neue Gestaltung, welche der Wiener Zeitung zu geben wäre5. Dieselbe würde dadurch dem Inhalte nach mit dem französischen Moniteur übereinstimmen; statt des Dr. A[dolf] Schmidl den J[ulius] Seidlitz zum nominellen Redakteur des politischen Teiles erhalten und keine extraktiven, sondern nur die stenographischen Berichte über die Verhandlungen des Reichstages liefern.

|| S. 569 PDF || Bei dem Ministerium des Inneren würde ein Zentralbüro für die politische Zeitungsredaktion zu bilden und aus dem von den Ghelenschen Erben bezahlten Pauschalbetrage jährlicher 10.000f. zu dotieren sein. In diesem Büro würden alle bedeutenderen in- und ausländischen Zeitungen gelesen und jedem Ministerium die für dasselbe wichtigen Zeitungsartikel mitgeteilt und über alles Bemerkenswerte ein genaues Register geführt. Dort würden auch ganz- und halboffizielle Artikel, Berichte, leitende Artikel, Entgegnungen und sonstige polemische Arbeiten verfaßt und die Aufsicht über das Feuilleton der Wiener Zeitung geführt werden; dessen eigentliche Redaktion von den Ghelenschen Erben dem Schriftsteller Karl Beck übertragen werden wird6.

In Beziehung auf diese Anträge des Ministers v. Schwarzer wurde von dem Minister des Inneren bemerkt, daß die Mitteilung summarischer Berichte über die Reichstagsverhandlungen für die Mehrzahl der Leser ein Bedürfnis sei; nur wäre dafür zu sorgen, daß diese Berichte, insbesondere die Referate über die ministeriellen Entgegnungen auf Interpellationen, künftig mit größerer Genauigkeit und ohne Parteifärbung verfaßt werden7.

Ges. 18. August. Franz Karl. Vidi.